Klassenlektüren zu Weltreligionen

Weltreligionen GrundschuleDer Kaffee am Morgen, das Druckerpapier oder der Döner als schnelle Zwischenmahlzeit – viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, verdanken wir dem Austausch mit anderen Kulturräumen. Religiöse und kulturelle Vielfalt prägt unsere Gesellschaft seit Jahrtausenden und sorgt nicht nur für eine Bereicherung unseres Alltags, sondern darüber hinaus für Weiterentwicklung und Innovation. Trotz der offenkundigen Chancen erzeugt das Mit- und Nebeneinander der Kulturen und Religionen auch Konflikte. Im Großen wie im Kleinen sind deshalb immer wieder Toleranz, Respekt und Nächstenliebe gefragt – angefangen bei der Schule und in jedem einzelnen Klassenzimmer. Doch auf welche Weise können Sie Kindern diese Werte lebendig vermitteln?
 

Weltreligionen im Religionsunterricht der Grundschule

Die Auseinandersetzung mit dem „Anderen“ bildet die Basis für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben. Fördern Sie die interkulturelle Kompetenz Ihrer Schüler daher schon in den ersten Jahrgangsstufen, indem Sie sie mit verschiedenen Glaubensrichtungen und Weltanschauungen bekannt machen. Nicht umsonst ist das Thema „Weltreligionen“ in den Fachlehrplänen für katholische und evangelische Religion, Ethik und Islamische Religionslehre verankert. Die Beschäftigung mit den Abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam bietet sich als Einstieg an, denn sie haben gemeinsame Wurzeln und die meisten Kinder hierzulande wachsen mit einer dieser Glaubensrichtungen auf. Später lassen sich auch die anderen beiden großen Weltreligionen Hinduismus und Buddhismus betrachten und gegebenenfalls eine Naturreligion afrikanischer oder indigener Völker.
 

Im Rahmen des Religionsunterrichts erwerben die Schüler zum einen grundlegendes Wissen über die Weltreligionen, zum Beispiel über deren Symbole, Feste und Rituale. Zum anderen lernen sie, gemeinsame Werte und ethische Einstellungen zu erkennen, und vertiefen ihr Verständnis kultureller, geschichtlicher und politischer Prozesse. Auf diese Weise bauen sie Vorurteile ab und entwickeln Dialogfähigkeit und einen wertschätzenden Umgang miteinander.
 

Weltreligionen im Deutschunterricht

Beschränken Sie das Thema „Weltreligionen“ nicht auf den Religionsunterricht, sondern greifen Sie es auch in anderen Fächern auf, zum Beispiel im Deutschunterricht. Lesen Sie doch begleitend zur Beschäftigung mit den Abrahamitischen Religionen eine Klassenlektüre, die sich mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Weltanschauungen auseinandersetzt und Toleranz und Akzeptanz vermittelt.
 

Eine Schullektüre bietet Ihnen gleich mehrere Vorteile: Sie fördert das sinnerfassende Lesen und steigert die Lesemotivation. Durch eine spannende Geschichte und authentische Figuren baut sie eine Brücke zur Lebenswelt der Kinder und lädt sie zur Identifikation ein. Wenn Sie ein passendes Unterrichtsmaterial hinzuziehen, ergeben sich außerdem zahlreiche Gesprächs- und Schreibanlässe und Möglichkeiten zur Vertiefung der Thematik im Unterricht.
 

Zwei Klassenlektüren zu Weltreligionen

Im Programm des Hase und Igel Verlags finden Sie zwei Lektüren, die sich besonders gut eignen, um das Thema „Weltreligionen“ im Deutschunterricht aufzugreifen. Das Buch Welche Farbe hat die Freundschaft? richtet sich mit seiner großen Schrift und seinen lesefreundlichen Zeilenumbrüchen an Leseanfänger am Ende der ersten und in der zweiten Klasse. Die Autorin Ursel Scheffler führt Ihre Schüler hier behutsam an die Auseinandersetzung mit verschiedenen Glaubensrichtungen heran, indem sie eineWeltreligionen Grundschule Geschichte aus der Lebenswirklichkeit der Kinder erzählt: Max und seine türkischstämmige Freundin Mira bekommen einen neuen Mitschüler aus Afrika, spielen ein Theaterstück von Anderssein und lernen, dass kein Fingerabdruck dem anderen gleicht. Bei Mira zu Hause erfährt Max einiges über die Religion des Islam, deren Gotteshaus und Heilige Schrift, Rituale und Feste. Denn Miras Mutter fastet, weil Ramadan ist, Mira erhält eine Postkarte, auf der eine Moschee abgebildet ist, und Max entdeckt ein Buch mit geheimnisvollen Zeichen, den Koran. Als sein Vater ihn abends abholt, hat Max viel zu erzählen …

Die Schullektüre Nathan und der magische Ring eignet sich aufgrund ihrer mittelalterlichen Handlungszeit, der Fibelschrift und des überschaubaren Umfangs für den Einsatz in der zweiten bis vierten Klasse. Ursel Scheffler erzählt darin die berühmte Ringparabel aus Giovanni Boccaccios Der Dekameron, die Gotthold Ephraim Lessing in seinem Drama Nathan der Weise aufgreift, kindgerecht neu: Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 1187. Sultan Saladin, der soeben die Kreuzfahrer besiegt hat, bekommt Besuch von seiner Schwester Rabia. Beide blicken zurück auf die vergangenen Kriegsmonate, die viel Leid und Zerstörung gebracht haben. Bald darauf trifft Saladins jüdischer Freund Nathan der Weise ein. Er ist ein reicher und kluger Kaufmann, der Kriege für wenig sinnvoll hält und dem Sultan seine Meinung offen kundtut. Als Saladin ihm die Frage nach dem richtigen Glauben stellt, erzählt Nathan die Geschichte vom magischen Ring.
 

Unterrichtsmaterialien zum Thema „Weltreligionen“

Zu beiden Klassenlektüren gibt es jeweils ein Begleitmaterial, das Ihnen bei der Vorbereitung und Gestaltung Ihres Unterrichts Hilfe leistet. Das Material zu Welche Farbe hat die Freundschaft? berücksichtigt, dass das Buch eventuell die erste gemeinsame Lektüre Ihrer Klasse ist: Es regt die Schüler an, sich vor dem Lesen anhand des Covers und der Website des Hase und Igel Verlags über die Geschichte und die Autorin zu informieren. Während des Lesens ermöglicht es den Kindern, ihren Fortschritt mithilfe eines selbst gebastelten Lesezeichens und eines Lesetagebuchs festzuhalten. Und nach dem Lesen bietet es ihnen durch ein Würfelspiel und ein Quiz die Gelegenheit, ihr Textverständnis zu überprüfen.
 

Darüber hinaus beinhaltet das Material zahlreiche Kopiervorlagen zum Thema „Anderssein“, zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam sowie zur türkischen Sprache. Neben dem Vermitteln von Faktenwissen (zum Beispiel zu Gotteshäusern und wichtigen Festen) steht die Sensibilisierung für die Berührungspunkte und die gegenseitige Beeinflussung von Kulturen im Mittelpunkt: Die Schüler lernen Lehnwörter aus dem Türkischen kennen und machen sich mit Geschichten aus dem Alten Testament vertraut, die sich in ähnlicher Form auch im Koran wiederfinden. Am Beispiel unserer Hände und Fingerabdrücke führen sie sich vor Augen, dass wir alle unterschiedlich sind und Andersartigkeit eine Bereicherung darstellt.
 

Weltreligionen GrundschuleDas Begleitmaterial zu Nathan und der magische Ring trägt dem Umstand Rechnung, dass die Handlung nicht in der Gegenwart Mitteleuropas und damit in der Lebenswelt der Kinder angesiedelt ist, sondern im Mittelalter im Nahen Osten. Mit altersgerechten Sachtexten vermittelt es grundlegende geografische und geschichtliche Informationen, zum Beispiel zur Stadt Jerusalem und zu den Kreuzzügen, und erleichtert so den Einstieg in die Lektüre.
 

Im Anschluss daran bietet das Material Aufgaben zu den drei Figuren der Rahmenhandlung – Sultan Saladin, seiner Schwester Rabia und Nathan – und ihrem Verhältnis zueinander. Außerdem gibt es einen Überblick über die drei Abrahamitischen Religionen. Dann rückt die Ringparabel in den Mittelpunkt, die sich die Schüler abschnittsweise und in Gruppenarbeit erschließen. Auf den darauffolgenden Kopiervorlagen finden sich zahlreiche Anregungen, wie die Kinder die zentralen Werte des Gleichnisses – Respekt, Toleranz und gutes Handeln – in ihren Alltag übertragen und praktisch umsetzen können.
 

Weltreligionen außerhalb des Unterrichts begegnen

Die beiden Schullektüren und die dazugehörigen Begleitmaterialien ermöglichen Ihnen nicht nur eine Auseinandersetzung mit den Weltreligionen im, sondern auch außerhalb des eigentlichen Unterrichts: Nachdem sich die Kinder im Laufe der Lektürearbeit zu Welche Farbe hat die Freundschaft? mit den Unterschieden zwischen einer Kirche und einer Moschee befasst haben, können Sie mit ihnen ein christliches und ein islamisches Gotteshaus besuchen. Oder Sie veranstalten zum Abschluss der Unterrichtseinheit zu Nathan und der magische Ring ein interkulturelles Fest, bei dem die Schüler Gerichte aus den verschiedenen Herkunftsländern kosten, Plakate zur Lektüre präsentieren und die Ringparabel vorlesen. So erhalten die Kinder die Gelegenheit, Andersgläubigen persönlich zu begegnen, mit ihnen in einen Austausch zu treten und religiöse und kulturelle Vielfalt mit allen Sinnen zu erleben.