„Die Welle“ als Schullektüre

Die Welle UnterrichtsmaterialDie Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust ist im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I fest verankert. Gerade angesichts immer deutlicher zutage tretender extremistischer Strömungen in unserer Gesellschaft gewinnt sie weiter an Bedeutung. 

Diese Strömungen äußern sich nicht nur in einzelnen schockierenden Anschlägen der jüngeren Vergangenheit, wie den Schüssen auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 oder dem Terrorakt gegen Menschen mit Migrationshintergrund in Hanau 2020. Auch im Alltag sind rechtsextreme Narrative und Symbole, vor allem im Rahmen der „Querdenken“-Demos während der Covid-19-Pandemie, präsenter und selbstverständlicher geworden.

Extremismus in der Schule
Extremistische Tendenzen machen vorm Klassenzimmer nicht halt: Antisemitische Beleidigungen, Ressentiments gegen Geflüchtete oder Beschimpfungen von „Ungläubigen“ sind Ihnen vielleicht auch schon in Ihrem Berufsalltag begegnet. 

Extremistische Ideologien üben eine besondere Anziehungskraft auf Jugendliche aus. Denn sie stecken mitten im Prozess der Identitätsfindung und suchen nach Anerkennung und Orientierung. Mit ihren vorgegebenen Regeln und Strukturen kommen extremistische Gruppen diesem Bedürfnis entgegen und vermitteln den Heranwachsenden ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Umso wichtiger ist es, dass die Schule die Jugendlichen zu selbstständigem und kritischem Denken befähigt und ihren Widerstand gegenüber extremistischem und faschistoidem Gedankengut stärkt.

„Die Welle“ als Klassenlektüre 
Doch mit welchen Mitteln können Sie diese Aufgabe in Ihrem Unterricht konkret umsetzen? Eine Möglichkeit ist der Einsatz einer Schullektüre wie Die Welle von Morton Rhue: Sie beschreibt anschaulich und lebensnah, wie leicht sich Menschen verführen, manipulieren und instrumentalisieren lassen, und zeigt die Gefahren faschistischer Bewegungen auf.

Zum Inhalt des Romans „Die Welle“
Ben Ross, ein junger, engagierter Geschichtslehrer an einer amerikanischen Highschool, konfrontiert seine Schüler im Unterricht mit einem Film über die Grausamkeiten, die die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern begangen haben. Das Gezeigte stößt bei den Jugendlichen auf großes Unverständnis. Für sie ist es unvorstellbar, wie sich so schreckliche Taten ereignen konnten, ohne dass die deutsche Bevölkerung etwas dagegen unternommen hat. Um seinen Schülern klarzumachen, wie das Leben in Deutschland unter den Nazis ausgesehen haben könnte, startet Ben Ross ein Experiment: Er führt im Geschichtskurs drei Grundsätze ein, die von jedem Einzelnen Disziplin und gemeinschaftliches Verhalten einfordern. Die Bewegung erhält den Namen „Die Welle“, ein entsprechendes Symbol und einen Gruß.

Von der Begeisterung der Jugendlichen getragen, verbreitet sich die „Welle“ bald über den Geschichtskurs hinaus. Wer sich weigert, der Gruppe beizutreten, oder wagt, sie infrage zu stellen, wird ausgegrenzt, unter Druck gesetzt, bedroht und sogar verprügelt. Ben Ross verliert zunehmend die Kontrolle über sein Experiment. Doch anstatt es unvermittelt abzubrechen, lädt er die Schüler zu einer Großversammlung der „Welle“ ein. Dort präsentiert er ihnen ein Bild Hitlers, mit dem er ihnen vor Augen führen will, dass sie alle gute Nazis gewesen wären.

Vorlagen für „Die Welle“
Der Roman Die Welle basiert auf den Erlebnissen des Geschichtslehrers Ron Jones an einer kalifornischen Highschool im Jahr 1967. Sein Experiment „The Third Wave“ befasste sich mit der Faszination faschistischen Denkens und Handelns. Ursprünglich nur für einen Tag vorgesehen, brach er es schließlich nach fünf Tagen ab. Den Lehrer schockierte nicht nur die Verführbarkeit der Schüler, sondern auch sein eigener Genuss der Machtrolle. Seine Erfahrungen mit dem Experiment schrieb er Jahre später in dem Buch No Substitute for Madness: A Teacher, His Kids, and the Lessons of Real Life nieder.

Morton Rhue benutzte als Vorlage für seinen Roman das Drehbuch zum US-amerikanischen Fernsehfilm The Wave (1981), das seinerseits auf Jones’ Erfahrungsbericht aufbaut. Die deutsche Neuverfilmung durch den Regisseur Dennis Gansel aus dem Jahr 2008 überträgt die Thematik auf die Gegenwart der deutschen Schüler.

Die Welle Unterrichtsmaterial: Tipps zur Auseinandersetzung mit der Schullektüre
Der Roman Die Welle lässt sich ideal als Klassenlektüre begleitend zum Geschichtsunterricht lesen, wenn dort das Thema „Nationalsozialismus“ durchgenommen wird. Doch auch unabhängig davon können Sie den Klassiker als Lektüre in den Jahrgangsstufen 8 bis 10 einsetzen, um Ihre Schüler für die Entstehung und Verbreitung faschistischer Ideologien zu sensibilisieren. Unterstützung bei der Vermittlung des historischen und politischen Hintergrundwissens sowie der Erarbeitung der komplexen Handlung und der Figurenkonstellation bietet Ihnen das Unterrichtsmaterial von Heike Schmid, das im Hase und Igel Verlag erschienen ist. 

Zum Aufbau des Unterrichtsmaterials
Auf 68 Seiten erhalten Sie ein umfassendes und übersichtlich aufbereitetes Angebot, um sich auf vielseitige Weise mit der Klassenlektüre auseinanderzusetzen. Das Begleitmaterial orientiert sich am chronologischen Handlungsverlauf des Romans. Es ist in fünf Einheiten gegliedert, die jeweils mit einem Lehrerteil beginnen. Hier können Sie sich anhand kurzer Zusammenfassungen den Inhalt des jeweiligen Handlungsabschnitts vergegenwärtigen. Darauf folgen didaktische Hinweise und Lösungen zu den Kopiervorlagen. Mit den Gesprächs- und Schreibanlässen sowie den Ideen in der Rubrik „Kreativ aktiv“ ermöglichen Sie den Schülern, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Unmittelbar einsetzbare Kopiervorlagen runden jeden der Abschnitte ab. Auf die Neuverfilmung des Romans durch Dennis Gansel wird im Zusatzkapitel eingegangen. Dieses bietet außerdem grundlegende Informationen zum Medium Film.

Zu Inhalt und Methoden des Unterrichtsmaterials
Anhand verschiedener Aufgabentypen stellen die Jugendlichen ihr Leseverständnis unter Beweis. Das erforderliche Hintergrundwissen zu den Themenbereichen „Faschismus“ und „Judenverfolgung“ erarbeiten sie, indem sie Multiple-Choice-Fragen beantworten, einen Lückentext ergänzen und die antisemitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten zeitlich richtig einordnen. 

Der inhaltliche Schwerpunkt des Materials liegt auf der Entwicklung des Unterrichtsexperiments und seinen Auswirkungen auf die Figurenbeziehungen. Mithilfe von Figurenkarten und Schaubildern führen sich die Schüler diese Veränderungen vor Augen. Schreibanlässe wie innerer Monolog, Tagebucheintrag, Brief oder Dialog erlauben ihnen, sich in einzelne Figuren hineinzuversetzen und sich intensiver mit ihnen zu befassen. Die Vielfalt der Perspektiven bietet den Jugendlichen immer wieder die Möglichkeit, das Experiment von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten und es kritisch zu hinterfragen. 

Damit sich alle Schüler aktiv mit den Themen der Lektüre beschäftigen, werden einige Methoden des kooperativen Lernens (Think-Pair-Share, Placemat-Verfahren, Gruppenpuzzle) vorgestellt. Weitere handlungs- und produktionsorientierte Strategien, wie das Nachspielen von Szenen, das Bauen von Standbildern oder das Erstellen von Plakaten, kommen zum Einsatz. 

Im letzten Kapitel lernen die Jugendlichen grundlegende Gestaltungsmittel des Films kennen, zum Beispiel Perspektiven und Einstellungsgrößen der Kamera, und erwerben so das nötige Wissen, um eine Filmsequenz zu analysieren und sie mit der entsprechenden Passage im Buch zu vergleichen.

Fazit
Der Roman Die Welle gehört längst zu den Klassikern der Schullektüren – und das zu Recht. Er ergänzt nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Thema „Nationalsozialismus“ im Geschichtsunterricht, sondern zeigt den jugendlichen Lesern auch eindringlich auf, wie schnell jeder von uns in den gefährlichen Strudel faschistoiden Denkens geraten kann. Das Begleitmaterial aus dem Hase und Igel Verlag erleichtert Ihnen die Unterrichtsvorbereitung, gewährleistet eine eingehende Beschäftigung mit dem zeitlos aktuellen Roman und sorgt dafür, dass die Lektüre Ihren Schülern noch lange in Erinnerung bleiben wird.