Klassenlektüre „Die Mutprobe“

Die Mutprobe BuchVerunsicherung, Frust, Aggression – all diese Gefühlszustände sind Jugendlichen nicht fremd, doch in gesellschaftlichen Krisensituationen treten sie noch deutlicher zutage. Insbesondere die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, die dem Schutz vor der Verbreitung von Covid-19 dienen, lösen bei Heranwachsenden starke emotionale Reaktionen aus, im Extremfall ein Gefühl des „Eingesperrtseins“.

Wie gehen Ihre Schüler mit negativen Emotionen um? Sind sie in der Lage, diese zu verarbeiten, oder äußert sich ihre wachsende Frustration in Wutausbrüchen oder sogar körperlicher Gewalt? Und welche Mittel und Methoden stehen Ihnen zur Verfügung, diesen Reaktionen angemessen zu begegnen und Eskalationen zu verhindern?

Von zentraler Bedeutung ist es, den angestauten negativen Gefühlen im Unterrichtsgespräch Raum zu geben. Als Aufhänger bietet sich die Auseinandersetzung mit einer passenden Schullektüre an. Sie ermöglicht Ihnen eine vorsichtige, indirekte Annäherung an schwelende Befindlichkeiten und den Abbau von Widerständen auf der Seite Ihrer Schüler. Thematisch besonders dafür geeignet ist das Buch Die Mutprobe

Die zwölfjährige Hauptfigur Kristina erlebt eine viel stärkere Einschränkung ihrer Freiheit als Ihre Schüler während des Lockdowns. Denn ihre alleinerziehende Mutter, die erst um Mitternacht von der Arbeit nach Hause kommt, hat Kristina verboten, in ihrer Abwesenheit die Wohnung zu verlassen. Als eines Nachmittags Tobias, der Anführer einer Jugendbande, hereinplatzt, kommt Abwechslung in Kristinas eintönigen Alltag. Sie stellt ihre Wohnung als Hauptquartier für die Treffen der Bande zur Verfügung und lässt sich selbst immer öfter auf deren illegale Aktionen ein, wie nächtliche Sprühtouren, Straßenschlachten und S-Bahn-Surfen. 

Die fortlaufende Suche nach dem nächsten „Kick“ mündet schließlich in einer verhängnisvollen Entscheidung: Um der Bande offiziell beizutreten, soll Kristina nachts von einer Brücke Steine auf die Autobahn werfen. Durch diese „Mutprobe“ verursacht die Jugendliche einen Autounfall, bei dem ein gleichaltriges Mädchen fast zu Tode kommt. Die Begegnung mit dem Unfallopfer bewegt Kristina endlich zur Umkehr und zum Bestehen ihrer eigentlichen Mutprobe: dem Geständnis der Tat und dem Ausstieg aus der Bande.

Das Buch Die Mutprobe zeigt anschaulich und aus einer Perspektive, mit der sich Ihre Schüler leicht identifizieren können, welche fatalen Auswirkungen anhaltende Langeweile und Frustration nach sich ziehen können. Die Klassenlektüre bietet Ihnen die Chance, Gefühle, die Ihre Schüler mit der Protagonistin teilen, aufzugreifen, ohne den Jugendlichen dabei persönlich zu nahe zu treten. Gleichzeitig erlaubt sie Ihnen, Kristinas Verhalten gemeinsam kritisch zu reflektieren und alternative Handlungsoptionen zu besprechen – wodurch Sie im Idealfall bei Ihren Schülern eine Selbstreflexion in Gang setzen, die ihnen ermöglicht, einen adäquaten Umgang mit ihren eigenen negativen Gefühlen zu finden.

Schulausgaben und Begleitmaterialien

Die Klassenlektüre Die Mutprobe bietet der Hase und Igel Verlag in drei Ausgaben an: Neben der Normalausgabe (gelbe Titelschrift) ist eine parallel lesbare light-Variante (gleiches Cover, weiße Titelschrift) erhältlich, die durch die größere Schrift, das reduzierte Vokabular und die Auflösung komplexer Satzstrukturen vereinfacht wurde. Das Begleitmaterial zur Normalausgabe ist auch für diese Ausgabe verwendbar.
Die dritte Ausgabe stellt die light-Variante (komplett gelbes Cover) dar. Sie wurde noch stärker gekürzt, kann aber nicht parallel zur Standardausgabe eingesetzt werden. Auch zu dieser Ausgabe gibt es ein passendes Begleitmaterial.