Thema Cybermobbing im Unterricht

Cybermobbing UnterrichtsmaterialKommunikation via E-Mail und Chat, Unterricht per Videokonferenz, Online-Lernplattformen – hätten Sie vor 2020 gedacht, dass digitale Medien einmal ständige Begleiter in Ihrem Berufsalltag sein würden? In Zeiten von Covid-19 und Homeschooling stellten sie oft die einzige Möglichkeit dar, um mit den Schülern in Kontakt zu bleiben und den Unterricht aus der Ferne zu organisieren.
 

Die Mediennutzung von Jugendlichen

Was für die Schule und das Lernen gilt, prägte auch das Freizeitverhalten von Jugendlichen im Corona-Jahr: Weil der persönliche Kontakt zu Freunden und Mitschülern stark eingeschränkt war, hat sich ihre Mediennutzung laut JIM-Studie 2020 deutlich ausgeweitet. So ist die tägliche Internetnutzungsdauer im Vergleich zu 2019 von 205 auf durchschnittlich 258 Minuten angestiegen. In sozialen Netzwerken haben Jugendliche 2020 ebenfalls mehr Zeit verbracht. All das zeigt: Das Internet ist aus dem Alltag der Schüler nicht mehr wegzudenken.
 

Neben den Chancen für die digitale Bildung, den Vorteilen der Online-Kommunikation und dem unterhaltsamen Zeitvertreib bergen das Internet und die sozialen Medien auch Tücken und Gefahren, die Jugendlichen häufig nicht bewusst sind. Dazu gehören Falschmeldungen, Hetze und Cybermobbing.
 

Zahlen zum Cybermobbing

Vor allem das Cybermobbing ist ein Problem, das viele Jugendliche direkt betrifft. Im Jahr 2020 haben sich die Fälle vermehrt: So geht aus der JIM-Studie hervor, dass von fast jedem Dritten (29 Prozent) der Zwölf- bis Neunzehnjährigen schon einmal falsche oder beleidigende Inhalte per Handy oder im Internet verbreitet wurden. In den Jahren zuvor lag dieser Wert bei einem Fünftel der Jugendlichen. 2020 gaben 38 Prozent der Befragten an, jemanden zu kennen, der im Netz absichtlich fertiggemacht wurde. Auch hier zeigt sich eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr, da waren es 31 Prozent. Und elf Prozent der jugendlichen Internetnutzer wurden laut der JIM-Studie 2020 bereits selbst Opfer von Cybermobbing – drei Prozent mehr als 2019.
 

Ursachen für den Anstieg von Cybermobbing

Cybermobbing UnterrichtsmaterialWodurch lässt sich der Anstieg von Cybermobbing erklären? Eine mögliche Begründung lautet, dass sich 2020 unsere alltägliche Kommunikation weitgehend aus der realen Welt ins Netz verlagert hat. Dort spiegeln sich alle Tendenzen unserer Offline-Kommunikation wider – von positiven Äußerungen und konstruktivem Dialog bis hin zu verbalen Angriffen und Beleidigungen. Hinzu kommt: Die Online-Kommunikation weist einige Tendenzen auf, die das Cybermobbing begünstigen. Die Schnelligkeit des Informationsaustauschs sorgt dafür, dass Inhalte spontan geteilt werden und innerhalb kürzester Zeit eine rasch wachsende Empfängergruppe erreichen. Mobber profitieren außerdem von der Anonymität, da sie keine negativen Konsequenzen für ihr Verhalten fürchten müssen. Darüber hinaus fehlen ihnen die direkten Reaktionen des Gegenübers, sodass sie oft nicht einschätzen können, wie der andere die Äußerungen aufnimmt. All diese Merkmale machen es besonders leicht, Menschen über das Internet bloßzustellen und zu schikanieren.
 

Cybermobbing im Unterricht aufgreifen

Auch wenn die Beleidigungen im Netz häufig anonym erfolgen, kennen sich Täter und Opfer meist aus dem privaten Umfeld: Sie gehen gemeinsam zur Schule, vielleicht sogar in eine Klasse. Haben Sie an Ihrer Schule schon einen Fall von Cybermobbing erlebt? Wie wurde damit umgegangen? Und wie können Sie Cybermobbing in Ihrer Klasse vorbeugen?
 

Ein erster wichtiger Schritt, um Cybermobbing zu verhindern, ist der verantwortungsvolle Umgang mit sozialen Medien. Greifen Sie daher das richtige Verhalten im Internet in Ihrem Unterricht auf. Oft sind sich die Jugendlichen gar nicht der weitreichenden Folgen ihrer Online-Aktionen bewusst und geben zum Beispiel zu viel Persönliches von sich preis. Damit setzen sie sich nicht nur negativem Feedback und möglicher Schikane aus. Die Informationen drohen auch von anderen Nutzern verbreitet, gefälscht und zweckentfremdet zu werden.
 

Ein gutes Mittel, um Schüler für die Gefahren des Cybermobbings zu sensibilisieren, ist das gemeinsame Lesen einer thematisch passenden Klassenlektüre. Über eine Hauptfigur, mit der sich die Jugendlichen identifizieren, können Sie eine Brücke zu ihrer Lebenswelt bauen.
 

Cybermobbing Unterrichtsmaterial: Schullektüren zum Thema

Im Hase und Igel Verlag sind eine Reihe von Klassenlektüren mit dem Schwerpunkt „Cybermobbing“ erschienen, die sich für den Einsatz in der Sekundarstufe I eignen und im Folgenden vorgestellt werden.

Cybermobbing UnterrichtsmaterialDer Roman Vernetzt gehetzt (5. bis 8. Klasse) spricht Jugendliche durch die Themen Cybermobbing, Freundschaft und erste Liebe an. Der zwölfjährige David erfährt am eigenen Leib, welche Auswirkungen ein unreflektierter Umgang mit sozialen Medien hat und wie leicht dies zu Mobbing führen kann. Die Schullektüre wirft wichtige Fragen auf: Was gebe ich im Netz von mir preis? Wie weit gehe ich für ein paar „Likes“ auf Facebook? Warum ist ein kompromittierendes Foto im Internet etwas ganz anderes als eine persönliche Beleidigung im Klassenzimmer? Die Lektüre bietet zahlreiche Möglichkeiten, an diesen Fragestellungen zu arbeiten und die Medienkompetenz Ihrer Schüler zu erweitern.

 

Das Buch ... und jetzt sehen mich alle (6. bis 8. Klasse) greift das Thema des Datenmissbrauchs im Internet auf. Die 13-jährige Tabea wird im sozialen Netzwerk WirNetz durch die Verbreitung von Nacktbildern, die ohne ihr Wissen entstanden sind, gedemütigt. Mit ihrer Freundin Yasemin macht Tabea sich auf die Suche nach den Schuldigen. Die Geschichte veranschaulicht, wie schnell man die Kontrolle über die eigenen Daten verlieren kann. Ihre Schüler beschäftigen sich im Zuge der Lektüre daher mit Fragen wie „Was sollte ich bei der Selbstdarstellung im Netz beachten?“ oder „Wie gehe ich mit sensiblen Bilddaten (z.B. Nacktfotos) um?“.
 

Auch im Roman Lucky Loser (6. bis 8. Klasse) spielt das Thema Cybermobbing eine Rolle: Hier zeigt sich, welche fatalen Folgen ein per Handy oder im Internet verbreitetes Foto nach sich ziehen kann. Der 15-jährige Lukas versteht die Welt nicht mehr, als seine Freundin ihn bei WhatsApp blockiert. Im weiteren Verlauf der Geschichte versucht er trotz „Kontaktabbruch“ für Klarheit zu sorgen. Durch die Auseinandersetzung mit der Klassenlektüre machen sich die Jugendlichen bewusst, warum es rechtlich und moralisch unzulässig ist, Daten oder Fotos von anderen ungefragt zu veröffentlichen.
 

Passende Begleitmaterialien zur Vertiefung

Zu jeder der drei Schullektüren gibt es ein Unterrichtsmaterial, das Ihnen ermöglicht, das Thema Cybermobbing und weitere inhaltliche Aspekte eingehend zu beleuchten.
 

Mithilfe des Materials zu Vernetzt gehetzt erarbeiten sich die Schüler Hintergrundwissen zum Thema Sicherheit in den sozialen Medien und setzen sich mit den Romanfiguren und deren Handeln auseinander. Rollenspiele zu Konfliktsituationen erlauben einen empathischen Zugang zum Thema (Cyber-)Mobbing, wobei sowohl die Rolle der Mobbingopfer als auch die der Beobachter berücksichtigt wird. Darüber hinaus regen Gesprächs- und Schreibanlässe dazu an, das eigene Medienverhalten und einen fairen Umgang im Netz zu reflektieren.
 

Das Material zu ... und jetzt sehen mich alle rückt die Themen Cybermobbing, Sicherheit im Internet und soziale Netzwerke in den Mittelpunkt. Die traumatische Erfahrung der Protagonistin soll die Schüler sensibilisieren, ihre Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Internetnutzung zu überdenken. Jugendgemäße Fragen und Probleme wie die Bedeutung von Freundschaften, erste Beziehungen und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit in Krisensituationen werden aufgegriffen.
 

Die Arbeitsblätter aus dem Material zu Lucky Loser bieten den Jugendlichen Identifikationsmöglichkeiten, fördern ihre Empathiefähigkeit, vermitteln Hintergrundinfos und regen dazu an, sich kreativ mit dem Buch auseinanderzusetzen. Abgerundet wird das Material durch einen Brief der Autorin zur Entstehungsgeschichte des Romans.
 

Die drei genannten Klassenlektüren und die dazugehörigen Begleitmaterialien stellen ein hilfreiches Instrument aus dem Bereich Cybermobbing Unterrichtsmaterial dar: Sie unterstützen Sie dabei, mit Ihren Schülern über das richtige Verhalten und mögliche Gefahren im Internet zu sprechen. So können Sie virtuellen Attacken in Ihrer Klasse vorbeugen und verhindern, dass die Fälle von Cybermobbing in Zeiten der zunehmenden Mediennutzung weiter ansteigen.